BMP-Motorsportfotos - Rallyefotos aus Österreich
bmpTV - Motorsportvideos aus Österreich - by Patrick Butschell
Rallye W4, ORM

Showdown im Waldviertel

Der Rechenstift bleibt in der Lade

Horn.Die Titelkandidaten Julian Wagner und Hermann Neubauer zeigen sich sehr gelassen. Das Comeback von Rekordmeister Raimund Baumschlager und der Start von ERC-Pilot Simon Wagner sind zusätzliche Spannungsfaktoren.

Elf R5-Boliden sind es also, die bei der Rallye-W4-Premiere als Staatsmeisterschaftslauf in der stärksten Klasse 2 an den Start gehen werden. Dass das Hauptaugenmerk der Fans in erster Linie auf den Startnummern 1 und 2 liegen wird, liegt in der Natur der Sache. Julian Wagner (Skoda Fabia R5) und Hermann Neubauer (Ford Fiesta R5) kämpfen im direkten Duell um den Titel. Zur kurzen Erklärung: Wagner liegt zwar in der Bruttowertung der Tabelle noch um acht Punkte vor Neubauer, zieht man aber das vorgeschriebene Streichresultat am Ende heran, muss der Oberösterreicher momentan 18 Punkte hergeben, während der Salzburger seinen Nuller vom Ausfall bei der Jännerrallye ins Spiel bringen kann und dadurch eigentlich mit zehn Punkten vor Wagner ins Saisonfinale geht!

Dass der Rechenstift jedoch in der Lade bleibt, betonen beide Kontrahenten. Zumindest nach außen gibt man sich zwar extrem fokussiert, aber auch betont gelassen. Titelträume werden geschickt heruntergespielt, um das eigene Nervenkostüm etwas zu entlasten.

Julian Wagner: „Ich bin mit dem R5 noch nie eine komplette Schotter-Rallye gefahren. Da habe ich also sicher noch Aufholbedarf. Aber das ist ein weiterer Schritt in meinem Lernprozess, mit dem ich in mein erstes R5-Jahr gestartet bin. Dass es nun sogar um den Titel geht, ist zwar schön, berührt mich aber nur sekundär. Erstens liegt der Hermann ja nach der Streichresultats-Regelung vorne, zweitens liegt mein Fokus ganz klar auf Weiterentwicklung. Ich kann nur schauen so wenig wie möglich falsch zu machen, alles andere sieht man dann am Schluss.“

Hermann Neubauer: „Zu allererst freue ich mich auf eine mega-geile Rallye auf Schotter. Im Waldviertel am Start zu sein, ist immer ein fantastisches Erlebnis. Mit Rechenspielen hinsichtlich Meistertitel beschäftige ich mich überhaupt nicht. Das überlasse ich anderen. Ich selber glaube, dass es überhaupt nix bringt zu taktieren. Weil wenn du anfängst zu bremsen, um irgendein Ergebnis zu verwalten, bist du fehleranfälliger als wenn du voll konzentriert einfach nur Gas gibst. Wer am Start steht oder wie viele R5-Boliden das sind, und wer mir eventuell Punkte wegnehmen könnte, interessiert mich überhaupt nicht. Am liebsten wäre mir das allerstärkste Feld mit den meisten Top-Fahrzeugen. Dann hätten wir einen super Kampf auf der Strecke und die W4-Rallye die Aufmerksamkeit, die sie verdient.“ 

Was Hermann Neubauer damit anspricht sind natürlich die Nennungen von Julian Wagners Bruder Simon Wagner und Teamchef Raimund Baumschlager, der sich 412 Tage nach seiner letzten Rallye in Österreich wieder hinters Steuer setzt. Offiziell freilich nur, „weil ich in den letzten 13 Monaten gemerkt habe, wie sehr mir das Fahren fehlt“,  inoffiziell aber natürlich mit dem Ziel, seinem Schützling zu helfen und dessen Konkurrenten im Bedarfsfall eventuell Punkte wegnehmen zu können. Ein legitimer Vorgang, welcher der Spannung bei der Rallye W4 nur förderlich sein kann. Noch dazu bringt der Rekord-Staatsmeister kurz vor seinem 60. Geburtstag auch noch den brandneuen Skoda Fabia R5 Evo mit, den er erstmalig wettbewerbsmäßig einsetzt. Baumschlager: „Ich habe dafür extra vier Kilo abgenommen und fühle mich richtig gut.“ 

Auch Simon Wagner schiebt den Part als Helfer für seinen Bruder in die zweite Reihe. „In erster Linie freue ich mich, dass ich wieder einmal in Österreich eine Rallye fahren kann“, sagt der ERC-Pilot zu seinem Start. Wie Baumschlager sitzt auch Simon Wagner im Waldviertel in einem Skoda Fabia R5 Evo. „Zweitens ist es mein Ziel, der Copilotin Anne-Katharina Stein, die diesmal mit mir und nicht mit meinem Bruder fährt, zum möglichen Beifahrer-Staatsmeistertitel zu verhelfen. Und wenn es dann nötig ist, dass Julian Hilfe braucht, dann werde ich mich, so ehrlich muss ich sein, dagegen nicht verwehren.“ Simon Wagner weiß natürlich, dass dazu einige Faktoren zusammenspielen müssen. „Zuerst müsste einmal Julian schneller sein als Hermann Neubauer, und dann müssten auch Raimund oder ich noch schneller sein als er. Das wird schwer genug. Hermann war nicht zufällig schon einmal Staatsmeister. Aber für die Ausgangslage bei der Rallye W4 ist das sicherlich eine gute Geschichte.“

Zu den weiteren Highlights des österreichischen Rallye-Finales rund um Horn zählen natürlich auch die Teilnahmen von Hausherr und Organisationschef Christian Schuberth-Mrlik (Skoda Fabia R5), Gerald Rigler (Ford Fiesta R5) oder Kevin Raith, der wie schon in Weiz den Peugeot 208 R5 T16 von Willi Stengg pilotiert. Vor allem Schuberth-Mrlik, der die Streckenabschnitte wie seine Westentasche kennt und (siehe 2014) weiß wie man im Waldviertel gewinnen kann, könnte zum Hecht im Karpfenteich werden. Ex-Meister Kurt Göttlicher wiederum muss sich mit einem Ford Fiesta R5 MK 2 aus dem Hause Stohl Racing wohl mit einer gewissen Außenseiterrolle begnügen.

Als stärkster Ausländer sollte der Tscheche Jaroslav Orsak beachtet werden. Der Ford-Fiesta-R5-Pilot war schon bei der NÖ-Rallye 2018 in Melk der schnellste und letztendlich auch der Sieger. Orsaks Landsmann Tomas Kurka (Ford Fiesta R5) sowie der Ungar David Botka (Skoda Fabia R5) sind ebenfalls für Topzeiten gut.

Trotz der elf R5-Boliden spekulieren auch Routiniers mit motorisch etwas schwächeren Autos mit Top-ten-Plätzen. Dazu zählen vor allem der Steirer Gernot Zeiringer mit seinem Skoda Fabia S2000 oder auch Robert Zitta im Subaru Impreza WRX.

Den höchst interessanten Vergleich mit den überlegenen R5-Autos sucht Christoph Zellhofer mit dem Suzuki Swift ZMX, der eigens im eigenen Haus in Amstetten aufgebaut wurde, um vielleicht einmal eine entscheidende, vor allem aber kostengünstigere Meisterschaftsrolle zu spielen. Der erste Wettbewerbs-Test beim ARC-Lauf in Dobersberg war freilich weniger aussagekräftig. Damals war nach keinen fünf Minuten Schluss, weil Max Zellhofer schon auf SP 1 ausritt und dabei die Spurstange verbog. Der Suzuki Swift ZMX wird in der eigens dafür geschaffenen Prototypen-Klasse N Open gewertet. In dieser Kategorie findet sich bei der Rallye W4 auch der Oberösterreicher Markus Stockinger mit einem Mazda 323 GT Open-N wieder. 

ORM-2WD

Ein Duell um den Staatsmeistertitel gibt es auch in der ORM-2WD. Hier kämpfen der Steirer Enrico Windisch im Citroen C2 R2 Max und der Niederösterreicher Alois Handler im Peugeot 207 R3T um die begehrte Trophäe. Für beide wäre es der erste Meistertitel in ihrer Karriere. Windisch hat momentan 16 Punkte Vorsprung, hat aber wie Julian Wagner bei den Allradlern noch ein Streichresultat von im Moment mindestens 9 Zählern vor sich.

Die 2WD-Sieganwärter bei der Rallye W4 sind aber realistisch gesehen andere Piloten. Zum einen der Deutsche Hermann Gassner jun. im Toyota GT86 CS-R3, dessen österreichische Copilotin Ursula Mayrhofer in der 2WD-Beifahrer-Staatsmeisterschaft vorne liegt. Zum anderen der noch regierende 2WD-Meister Luca Waldherr, der mit seinem Ford Fiesta MK8 R2T am Start steht. Mit der Oberösterreicherin Claudia Dorfbauer am Beifahrersitz, die ebenfalls noch Chancen hat, beste 2WD-Copilotin des Jahres zu werden. Auch ERC-Pilot Roland Stengg im Opel Adam R2 sollte in der Sieg-Frage nicht ganz außer Acht gelassen werden. 

Erfreulicherweise ist in der 2WD-Klasse auch ein reines Damenteam vertreten. Die attraktive österreichisch-deutsche Paarung heißt Victoria Hojas/Lisa Brunnthaler und sitzt in einem Opel Corsa OPC. 

Durch neun Piloten ist die Junioren-Staatsmeisterschaft im Waldviertel vertreten.

In der Reihenfolge der Favoriten sind dies Luca Waldherr (Ford Fiesta MK8 R2T), Roland Stengg Opel Adam R2), Christoph Lieb (Opel Adam), Daniel Mayer (Peugeot 208 R2), Nikolai Landa (Ford Fiesta R2T19), Martin Ritt (Volvo 740), Luca Pröglhof (Ford Fiesta ST), Manuel Bauer (Ford Fiesta ST150) und Tobias Kiesenhofer (Suzuki Swift Sport).

Zwar liegt der Ungar Martin Laszlo im Meisterrennen in Führung, doch der ist diesmal nicht am Start, sodass der Steirer Martin Ritt, der momentan nur drei Zähler Rückstand aufweist, als großer Titelkandidat 2019 gilt.

Österreichischer Rallye Cup der AMF 

Einen bereits feststehenden Gesamtsieger können die Waldviertler Fans im Österreichischen Rallye Cup der AMF begrüßen. Streichresultat hin, Streichresultat her, der Oberösterreicher Robert Zitta ist nicht mehr einzuholen, weil seine schärfsten Widersacher bei der Rallye W4 nicht am Start stehen. Nichtsdestotrotz darf man sich auf ein attraktives Feld und tolle Rallyeautos freuen. Stellvertretend dafür kommen z. B. Christian Windischberger mit seinem Subaru Impreza WRX STI R4, Gerald Bachler ebenso mit einem Subaru WRX, der Pole Igor Widlak mit seinem Mitsubishi Evo X, Alex Strobl mit einem Ford Escort WRC oder der Tscheche Michael Savruk mit einem Mitsubishi Evo IX R4. 

Österreichischer Rallye  Cup 2000

Während also im Österreichischen Rallye Cup alles entschieden ist, geht es im Rallye Cup 2000 noch heiß zu. Steiermark gegen Niederösterreich oder in Namen Martin Pucher gegen Alfred Leitner heißt hier der Kampf um den Titel 2019. Sieben Zähler trennen die beiden Kontrahenten. Als Streichresultat können beide auf Nullnummern verweisen, also fällt die Entscheidung ohne Rechenstift. Fix ist nur eines. Gewinnt z. B. Leitner vor Pucher, können die Powerstage-Punkte entscheiden.

 

Historische Rallye-Staatsmeisterschaft

Dramatik pur verspricht die Ausgangslage in der Historischen Rallye-Staatsmeisterschaft. Mit zwei Siegen in den letzten beiden Rallyes (Weiz und NÖ) hat sich der Salzburger Hans-Georg Lindner im Ford Escort RS2000 in Führung gesetzt. Nur einen Punkt hinter ihm lauert jedoch der Vorarlberger Richard Ronay im Ford Escort RS1800 auf seine Chance. Er hat heuer noch nicht gewonnen. Und lediglich einen weiteren Punkt hinter den beiden Österreichern macht der Ungar Attila Mesziati (Lada) Druck. Auch er hat wie Lindner heuer schon zwei Rallyes (Rebenland und Lavattal) auf Platz eins beendet.

Historischer Rallye Cup

Ganz klar entschieden ist bereits der Historische Rallye Cup 2019. Der steirische BMW-Pilot Mathias Haas konnte sich bereits nach der NÖ-Rallye als Gewinner der Gesamtwertung feiern lassen. Umso schöner, dass er im Waldviertel noch ein Gastspiel gibt, um sich auch dort den verdienten Applaus für eine rundum gelungene Saison abzuholen.

 

http://www.rallyew4.at/2019/nennliste.html

 

 

erstellt am 06.11.2019, 11:08
Rallye W4, ORM 191116---Martin Butschell-7872

IM WALDVIERTEL NACH 412 TAGEN RALLYE-ABSTINENZ AM PODIUM

erstellt am 19.11.2019, 11:48

Mit Pirmin Winklhofer als Co Pilot platzierte der 14-fache Staatsmeister den BRR SKODA Fabia R5 evo auf Platz drei in der Gesamtwertung beim Finale der ORM rund um Horn. Der Defekt einer Antriebswelle auf SP 11 kostete rund eineinhalb Minuten auf die Spitze.

Mehr
Rallye W4, ORM 191116---Martin Butschell-9005

Simon Wagner gewinnt das Saisonfinale im Waldviertel

erstellt am 18.11.2019, 09:43

Mit stolzen 48,5 Sekunden Vorsprung auf Hermann Neubauer gewinnt Simon Wagner den finalen Lauf der Österreichischen Rallye Meisterschaft und fährt Beifahrerin Anne K. Stein so zum Staatsmeistertitel 2019.Besser hätte das Wochenende für den Mauthausener kaum laufen können. 9 von...

Mehr
Rallye W4, ORM 191115---Martin Butschell-6718

Die Rallye W4 wird zum absoluten Erfolgserlebnis

erstellt am 17.11.2019, 18:04

Christoph Zellhofer wird mit dem ZMX Prototyp in der Gesamtwertung Achter. ZM Racing gewinnt mit Neubauer, Rigler und Ch. Zellhofer die Teamwertung.Einen besseren Jahresabschluss hätte sich das ZM-Racing Team, angeführt von Max Zellhofer gar nicht wünschen können. Sohnemann...

Mehr

15. - 16.11.2019

Rallye W4

Rallye W4, ORM

Rallye W4 2019 - [HIGHLIGHTS]